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14.02.2019, 16:04 Uhr | Bildquelle: KaiPilger/pixabay.de, 14.02.2019 - https://pixabay.com/de/hauptbahnhof-bahnhof-st%C3%A4dtischen-3900285/
Jetzt ist Zusammenarbeit gefordert!
Bahnbranche startet Programm zur Personalgewinnung - Verkehrsministerium unterstützt und fördert „Fokus Bahn“
„Fokus Bahn“ heißt das Programm, mit dem das Land Nordrhein-Westfalen, die Aufgabenträger Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), Nahverkehr Rheinland (NVR) und Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) sowie die Eisenbahnverkehrsunternehmen die Situation im Schienen­personennahverkehr verbessern wollen. Dabei steht der Personalman­gel im Vordergrund.
Bei einer Veranstaltung der Bahnunternehmen in Nordrhein-Westfalen, der „Jobparade“ in Düsseldorf, erläuterten Bran­chenvertreter die Hintergründe, Inhalte und Ziele des neuen Pro­gramms. Zum Auftakt unterzeichneten die Bahnunternehmen ein Ab­kommen über die Erstattung von Ausbildungskosten bei Unterneh­menswechseln.
Für die dreijährige Berufsausbildung der Lokführer (Eisenbahner im Be­triebsdienst) oder auch für eine neun- bis zwölfmonatige Umschulung, die Quereinsteiger qualifiziert, trägt das jeweilige Eisenbahnunterneh­men die Kosten. Um zu verhindern, dass Unternehmen aus Angst vor Abwerbeversuchen der Mitbewerber weniger Personal ausbilden, unter­zeichneten die Geschäftsführer der Bahnunternehmen in Nordrhein-Westfalen eine Selbstverpflichtung zur Erstattung von Ausbildungskos­ten untereinander. „Dies funktioniert in etwa so wie die Ausbildungsver­gütung von Profifußballclubs an die ausbildenden Amateurvereine“, er­klärt der Programmleiter und Geschäftsführer des Zweckverbands Nah­verkehr Westfalen-Lippe Joachim Künzel. Mit ihren Unterschriften unter den Vertrag über die Ausbildungskostenerstattung, so Künzel, bekräftig­ten die Bahnunternehmen ihr gemeinsames Engagement zur Fachkräf­teausbildung und setzten ein starkes Zeichen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Bei der Ansprache neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten die Bahnunternehmen in Nordrhein-Westfalen – Abellio Rail NRW, DB Re-gio NRW, KEOLIS Deutschland - eurobahn, National Express, Nord-WestBahn, Regiobahn, Rurtalbahn, VIAS Rail und WestfalenBahn – eng zusammen und haben unter anderem mit der „Jobparade“ eine gemein­same Arbeitgeber-Kampagne ins Leben gerufen. „Der Fachkräfteman­gel trifft nicht nur einzelne Unternehmen, sondern das gesamte System Bahn. Die Personalgewinnung darf deshalb kein Einzelkampf sein. Hier ist Zusammenarbeit gefordert“, betonte Andree Bach, DB Regio-Chef in Nordrhein-Westfalen. „Der Betrieb muss sichergestellt sein, das ist die Aufgabe aller Beteiligten. Deswegen ist es gut, dass die Branche ge­meinsam an Lösungen arbeitet“, erklärte Verkehrsminister Hendrik Wüst.
Viele interessierte Fachkräfte und potenzielle Lokführer sind mit Blick auf die Digitalisierung und Entwicklungen wie dem autonomen Fahren verunsichert, ob der Beruf langfristig eine Perspektive hat. „Die Technik ist aber noch lange nicht so weit, dass sie den Menschen ersetzen kann“, erklärte VRR-Vorstand Ronald R. F. Lünser. „Wer heute bei uns anfängt, kann sein gesamtes Berufsleben in der Bahnbranche in Nord­rhein-Westfalen verbringen, wenn er will“, ergänzte Rainer Blüm, Ge­schäftsführer der Abellio Rail NRW. Diese Tätigkeiten seien zudem kri­senfest, unterstrich Blüm: „Menschen müssen mobil sein, gerade im All­tag. Der SPNV ist nicht konjunkturabhängig.“
Die „Jobparade“ wurde durch den Künstler Guildo Horn als Testimonial unterstützt. „Der Nahverkehr auf der Schiene macht Millionen Menschen mobil. Gleichzeitig bietet die Branche umweltfreundliche Mobilität und zukunftssichere Arbeitsplätze. Für mich ist diese Kampagne deshalb eine Herzensangelegenheit“, erklärte der Entertainer, der für sein sozia­les Engagement bekannt ist und sich wiederholt für den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen eingesetzt hat.
Personalmangel betrifft alle Bahnunternehmen in NRW und bun­desweit
Alle Bahnunternehmen in Nordrhein-Westfalen suchen zurzeit hände­ringend Personal, insbesondere Lokführer, Zugbegleiter oder Kunden­betreuer. Ein Grund dafür ist der demografische Wandel. Das Durch­schnittsalter der Lokführer liegt bei über 50 Jahren. Allein durch den
Ausstieg der rentennahen Jahrgänge werden mittelfristig hunderte neu­er Mitarbeiter gebraucht.
Den Personalmangel spüren inzwischen auch die Fahrgäste: Landes­weit müssen immer häufiger ganze Zugverbindungen ausfallen, weil Lokführer oder Zugbegleiter erkrankt sind. Wie die Vertreter der Aufga­benträger für den SPNV, Heiko Sedlaczek für den Nahverkehr Rhein­land (NVR), Joachim Künzel für den Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und Ronald R. F. Lünser für den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), übereinstimmend betonten, werden die „eigenverschuldeten Zugausfäl­le“ nicht vergütet. „Für die Unternehmen ist es also weder zielführend noch wirtschaftlich, Personalressourcen bewusst knapp zu kalkulieren und Zugausfälle in Kauf zu nehmen“, so Sedlaczek.

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